Das Team im Kanuslalom 2015

Sprint-Stars holen Medaillensätze bei Kanu-EM

11.6.2018

Wie eng die Leistungsdichte im Kanurennsport geworden ist, zeigte sich nun bei den Europameisterschaften in Belgrad: Seriensieger wie Canadier-Einer-Fahrer Sebastian Brendel, immerhin Weltmeister und dreimaliger Olympiasieger, oder die EM-Favoriten im Kajak-Vierer der Herren mussten sich teilweise mit zweiten Plätzen zufrieden geben. Allerdings gingen die Finalentscheidungen äußerst knapp aus: So fehlten den vier Startern von Team Kunststoff im K4 lediglich 14 Hundertstelsekunden auf den ersten Platz. Und auch Brendel vermochte trotz eines famosen Zielsprungs im Finale seiner Paradestrecke (1.000 Metern im C1) den knappen Vorsprung des tschechischen Gewinners nicht mehr aufzuholen. Trösten konnte sich Brendel später mit der Goldmedaille über die außerolympische Distanz der 5.000 Meter.

Die C2-Europameister Yul Oeltze und Peter Kretschmer, Foto Ute Freise
Die C2-Europameister Yul Oeltze und Peter Kretschmer bei der Siegerehrung in Belgrad (Foto Ute Freise)

Positiver verlief das Rennen im Canadier-Zweier, wo Titelverteidiger und Weltmeister Peter Kretschmer (Leipzig) und Yul Oeltze (Magdeburg) EM-Gold gewinnen konnten. Insgesamt holte der Deutsche Kanu-Verband (DKV) und damit auch das Team Kunststoff in den olympischen Klassen einmal Gold, dreimal Silber und zweimal Bronze. Weitere Medaillen kamen in den außerolympischen Disziplinen dazu. DKV-Bundestrainer Jens Kahl blickt nach der EM in Serbien daher leicht positiv in Richtung der Weltmeisterschaften in Portugal vom 23. bis 26. August 2018, weiß aber auch, dass noch einiges an Arbeit auf die Kanu-Rennsport-Athleten der Nationalmannschaft wartet.

Parakanu-EM

In den Kajak-Finals der Parakanuten blieben die DKV-Athleten ohne Medaille. In der Klasse KL2 fuhren Anja Adler (Halle) bei den Damen auf Rang vier und Ivo Kilian (Halle) bei den Herren auf Rang fünf. Edina Müller (Hamburg) beendete das Finale in der Klasse KL1 der Damen zunächst ebenfalls auf Rang fünf, rückte dann jedoch durch Disqualifikation der Sportlerin aus der Ukraine auf Platz vier vor. Damit kehren die Parakanuten von DKV und Team Kunststoff mit einmal Bronze gewonnen durch Anja Adler im Va’a-Finale der Klasse VL3 in die Heimat zurück.

 

Kanu-Slalom-EM in Prag: Titel, Triumphe, Tränen

4. Juni 2018

Der erste internationale Höhepunkt der Saison für die Kanu-Slalom-Fahrer brachte einiges an Erfolgen und Medaillen für die Starter vom Team Kunststoff. Bei der Europameisterschaft in Prag vom 1. bis 3. Juni wiederholte Ricarda Funk (Bad Kreuznach) ihren EM-Erfolg von 2014: Die Kajakspezialistin gewann mit einem fehlerfreien Lauf vor der Titelverteidigerin Corinna Kuhnle aus Österreich. Die zweite deutsche Finalstarterin Jasmin Schornberg (Hamm) kam auf Rang acht. Im Canadier-Zweier der Herren holten sich Robert Behling und Thomas Becker Silber im vorerst letzten Wettkampf der traditionsreichen Bootsklasse. Die Ex-Weltmeister Franz Anton und Jan Benzien belegten Rang sieben, David Schröder und Nico Bettge wurden Zehnte. Für den Canadier-Zweier war die EM wohl der letzte Auftritt bei einem internationalen Wettbewerb. Nach dem Olympia-Aus war der C2 Ende März überraschend auch aus dem Programm für künftige Weltmeisterschaften und Weltcups geflogen. Für eine Überraschung sorgte die erst 19 Jahre alte Elena Apel, die im Canadier der Damen bei ihrer EM-Premiere Bronze gewann. Enttäuschung dagegen bei den Einzelwettbewerben der Herren: Im Kajak-Einer gingen der Olympia-Vierte Hannes Aigner und Sebastian Schubert auf den Rängen vier und 15 leer aus, im Canadier-Einer fuhr Sideris Tasiadis, Silbermedaillengewinner von den Olympischen Spielen in London 2012, auf Rang 6 ein.

Besser sah es dafür in den Mannschaftsdisziplinen aus: Die deutsche Zweier-Canadier-Mannschaft gewann hier den EM-Titel und auch die deutschen Damen-Kajaks holten für den Deutschen Kanu-Verband (DKV) Gold. Dementsprechend zufrieden zeigte sich DKV-Chefcoach Michael Trummer nach Abschluss der kontinentalen Titelkämpfe: „Drei Medaillen in den Einzel-Disziplinen, davon einmal Gold, sind beim ersten ernsthaften internationalen Kräftemessen in dieser Saison ein sehr gutes Ergebnis. Nimmt man die in den Teamwettbewerben gewonnenen Medaillen und weiteren Finalplatzierungen hinzu, dann wird sichtbar, dass wir auch in diesem Jahr ein starkes, international konkurrenzfähiges Team zur Verfügung haben. Das gibt uns Rückenwind für den Start in die Weltcupsaison und die Vorbereitung auf unseren Jahreshöhepunkt, die Weltmeisterschaften in Rio.“

Ricarda Funk EM 2018 in Prag
Ricarda Funk bei der EM 2018 in Prag (Foto: Nina Jelenc)

 

Licht und Schatten beim Kanu-Sprint-Weltcup in Duisburg

28. Mai 2018

Der Titel als das Wimbledon des Kanu-Rennsports lässt erahnen, welchen Stellenwert die Wedau-Bahn in Duisburg für ihren Sport hat. Nun fand der diesjährige Wettkampfauftakt für die internationale Rennsportelite auf genau dieser Regattastrecke mit dem ersten Weltcup der Saison statt. Die Bilanz für die deutschen Kanuten des Team Kunststoff: vier Siege in den zwölf olympischen Klassen und damit ein ordentlicher Start in die WM-Saison. Überragender Mann beim Heim-Weltcup in Duisburg war Doppel-Olympiasieger Max Rendschmidt, der im Kajak im Einer und Vierer jeweils zu Gold paddelte. Canadier-Star Sebastian Brendel musste sich zwei Wochen vor der EM in Belgrad dagegen mit Rang drei begnügen.

Max Rendschmidt K1 Weltcup Duisburg
Max Rendschmidt bei seinem K1-Weltcup-Erfolg in Duisburg

„Das war ein Wochenende mit Licht und Schatten. Jetzt wissen wir, wo wir stehen“, lautete das Fazit von Sportdirektor und Chef-Bundestrainer Jens Kahl zu den Wettbewerben. Siege gab es vor etwa 1.000 Zuschauern immerhin auch für die Weltmeister Peter Kretschmer und Yul Oeltze im Canadier-Zweier sowie die WM-Fünften Max Hoff und Marcus Groß im Kajak-Zweier.

Für das Highlight sorgte Max Rendschmidt, der in Duisburg das deutsche Duell mit Weltmeister Tom Liebscher aus Dresden über 1,000 m für sich entschied. Der Essener hat damit auch beste Karten im Kampf um den deutschen Startplatz bei der EM in Serbien (8. bis 10. Juni) sowie der WM in Portugal (23. bis 26. August). Der dreimalige Canadier-Olympiasieger Sebastian Brendel (Potsdam) löste dagegen das WM-Ticket, auch wenn er auf seiner Paradestrecke über 1.000 m auf Platz drei landete. Die gleiche Platzierung erreichte der Potsdamer letztlich auch auf der nicht olympischen Distanz über 500 m.

Hoch zufrieden zeigten sich die Kanutinnen und Kanuten des Deutschen Kanu-Verbandes mit den Bedingungen im komplett renovierten Bundesleistungszentrum in Duisburg. Der leitende Bundestrainer vergab für das neue „Heim“ der nationalen Rennsport-Elite fünf Sterne. Olympiasiegerin Franziska Weber schwärmte: „Wir fühlen uns hier pudelwohl.“ So waren immerhin Athletinnen und Athleten aus 52 Nationen sowie zahlreiche Olympiasieger und Weltmeister an den Start gegangen. Bereits im kommenden Jahr ist Duisburg vom 31. Mai bis 2. Juni wieder Gastgeber des Weltcups. Im Jahr 2020 geht es in Duisburg auch um die WM-Titel der Parakanuten. 2021 stehen dann die Kanu-Europameisterschaften im Kalender. Team Kunststoff ist dann hoffentlich wieder ganz vorne dabei.

Foto: Ute Freise